KISpeicher bleibt knapp bis 2028: Was das für Ihre Hardwareplanung bedeutet
Micron erwartet für 2027 und 2028 noch knapperen Speicher. Was das für Server- und PC-Beschaffung heißt und wie Sie Ihre Hardwareplanung anpassen.
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Wer in den letzten Monaten ein Angebot für einen Server, eine Speichererweiterung oder neue Arbeitsplatzrechner eingeholt hat, kennt das Bild: Arbeitsspeicher und SSDs werden seit Ende 2025 in einem Tempo teurer, das es in dieser Form noch nicht gab. Am 30. September 2026 hat Micron, der drittgrößte Speicherhersteller der Welt, eine Prognose veröffentlicht, die wenig Hoffnung auf Entspannung lässt: Der Engpass soll sich 2027 und 2028 nicht auflösen, sondern weiter verschärfen.
Was Micron gemeldet hat
Anlass waren die Zahlen zum vierten Geschäftsquartal, das vom 29. Mai bis 3. September 2026 lief. Micron setzte darin 54,2 Milliarden US-Dollar um, bei einer Bruttomarge von 86,8 Prozent. Nach Angaben von CEO Sanjay Mehrotra zogen die DRAM-Preise allein in diesem Quartal um knapp 20 Prozent an, NAND-Flash – die Basis für SSDs – um rund 30 Prozent.
Entscheidender ist der Ausblick: Mehr als drei Viertel der Micron-Produktion für 2027 sind bereits fest an Kunden vergeben. Die neue Fertigung in Idaho (ID2) soll erst Ende 2028 die ersten Wafer liefern. Wann Angebot und Nachfrage wieder zueinander finden, kann Micron nach eigener Aussage derzeit nicht absehen.
über 75 %
ca. +270 %
Ende 2028
Warum es Server härter trifft als PCs
Die Ursache liegt im KI-Ausbau der großen Cloud-Anbieter. Die Speicherhersteller lenken ihre Kapazität dorthin, wo die Margen am höchsten sind: High-Bandwidth-Memory für KI-Beschleuniger und Server-Module (RDIMM, also registrierte Speicherriegel für Server). Nach Schätzung des Marktforschers TrendForce entfallen 2026 zusammen 51 Prozent der gesamten DRAM-Bitmenge auf diese beiden Produktgruppen. Für Server-DRAM hat TrendForce im zweiten Halbjahr 2025 einen Preisanstieg von 64 Prozent gemessen und erwartet für 2026 noch einmal rund 270 Prozent. Für das laufende vierte Quartal rechnet TrendForce mit weiteren 10 bis 15 Prozent bei klassischem DRAM und 15 bis 20 Prozent bei NAND. Enterprise-SSDs sind dabei die einzige Kategorie, bei der sich der Anstieg sogar beschleunigt.
Bei den Systemherstellern kommt das zeitversetzt an. Dell hat seine Listenpreise zum 30. März 2026 im Schnitt um rund 17 Prozent angehoben, bei speicherlastigen Konfigurationen um bis zu 30 Prozent. Dell und Lenovo haben zwischen Dezember 2025 und Sommer 2026 jeweils zweimal erhöht. HPE beziffert den Anteil des Speichers an den Materialkosten eines Servers inzwischen auf mehr als die Hälfte und hatte sich im Frühjahr zeitweise vorbehalten, Aufträge zwischen Bestellung und Lieferung neu zu bepreisen.
Die Prozentzahlen auf Listenpreisebene wirken moderat, weil Gehäuse, Prozessoren und Netzteile kaum teurer geworden sind. Sobald eine Konfiguration aber viel Arbeitsspeicher oder SSD-Kapazität braucht – typisch für Virtualisierungshosts, Terminalserver-Farmen oder Backup-Repositories – wird der Speicher zur dominierenden Position. In unseren eigenen Angeboten sehen wir bei solchen Konfigurationen inzwischen Preise, die teils beim Dreifachen des Vorjahres liegen.
Wie wir damit umgehen
Wir verschieben Hardware-Erneuerungen derzeit überall dort, wo es technisch und sicherheitlich vertretbar ist. Einen dreifachen Preis für ein System, das noch zwei Jahre zuverlässig laufen könnte, kann man weder einer Geschäftsführung noch einem Gemeinderat ernsthaft vorlegen. Schieben ist allerdings keine Pauschalantwort – entscheidend ist, welches Risiko man sich damit einkauft.
Schieben, prüfen oder beschaffen?
So ordnen wir Erneuerungen aktuell ein:
Läuft und wird noch versorgt
Systeme mit Herstellersupport, aktuellen Sicherheitsupdates und ausreichender Leistung.
Garantie bzw. Wartung verlängern, Erneuerung neu terminieren.
Garantie läuft aus oder Engpässe
Systeme, deren Herstellergarantie in den nächsten Monaten endet oder die gelegentlich an Grenzen stoßen.
Verlängerte Wartung gegen gezielte Aufrüstung rechnen, Messdaten heranziehen.
Sicherheits- oder Ausfallrisiko
Geräte ohne Sicherheits- oder Firmware-Updates, ohne Ersatzteilversorgung oder Backup-Speicher am Kapazitätslimit.
Beschaffen, aber Konfiguration knapp und nachrüstbar kalkulieren.
Was IT-Verantwortliche jetzt prüfen sollten
- Bestand mit Lebenszyklus erfassen: Garantie- und Supportende je Gerät dokumentieren. Die Herstellerportale von Dell, HPE und Lenovo liefern diese Daten zur Seriennummer. Erst damit lässt sich entscheiden, was warten kann.
- RAM-Bedarf messen statt schätzen: In vSphere den aktiv genutzten gegenüber dem zugewiesenen Arbeitsspeicher je VM über mehrere Wochen auswerten, auf Windows-Servern den Leistungsindikator für zugesicherten Speicher. Großzügig dimensionierte VMs zu verkleinern schafft oft Luft auf dem Host, ohne dass ein Riegel gekauft werden muss.
- Angebote auf Preisbindung prüfen: Gilt der Preis bis zur Auslieferung oder nur bis zur Bestellung? Wie lange ist das Angebot gültig? Interne Freigabewege so beschleunigen, dass ein gutes Angebot nicht verfällt.
- Budget 2027 mit Puffer planen: Weder Micron noch TrendForce erwarten eine Entspannung vor Ende 2027. Kommunen sollten das bereits in den Haushaltsansätzen berücksichtigen, statt mit Vorjahrespreisen zu kalkulieren.
- Speicherkapazität bereinigen, bevor sie gekauft wird: Aufbewahrungsfristen in Backup-Jobs, verwaiste Datenbestände auf Fileservern und alte Snapshots prüfen. Jedes eingesparte Terabyte ist bei steigenden SSD-Preisen bares Geld.
- Arbeitsplatzrechner einzeln rechnen: Bei Geräten, die nur wegen des Windows-10-Endes ersetzt werden sollen, die Kosten einer Übergangslösung gegen den aktuellen Gerätepreis stellen. Hintergründe dazu in unserem Beitrag zum Windows-10-ESU.
Einordnung
- Das ist kein normaler Preiszyklus. Früher folgte auf jede Speicherknappheit ein Überangebot. Diesmal verkaufen die Hersteller ihre Kapazität über Langfristverträge an Hyperscaler. TrendForce erwartet, dass die Preissteigerungen sich deshalb zunehmend auf Kunden ohne solche Verträge verlagern – also genau auf Mittelstand und öffentliche Hand.
- Lebenszyklen werden länger. Wer bisher Server nach vier Jahren getauscht hat, sollte für gut laufende Systeme ein fünftes oder sechstes Jahr mit verlängerter Herstellerwartung ernsthaft prüfen. Das setzt sauberes Monitoring voraus, damit Verschleiß rechtzeitig auffällt.
- Die Cloud ist kein automatischer Ausweg. Auch Cloud-Anbieter zahlen die höheren Speicherpreise; nach TrendForce soll Speicher 2027 rund 68 Prozent ihrer Investitionsausgaben ausmachen. Ob und wann sich das in Cloud-Tarifen niederschlägt, ist offen – eine Verlagerung sollte deshalb nicht allein mit dem aktuellen Hardwarepreis begründet werden.
- Transparenz hilft bei der Entscheidung. Wir weisen den Speicheranteil in Angeboten inzwischen gesondert aus. So wird nachvollziehbar, woher eine Preisänderung kommt und an welcher Stelle eine angepasste Konfiguration tatsächlich etwas einspart.
Anlass für diesen Beitrag war die Meldung von heise online vom 1. Oktober 2026 zu den Micron-Zahlen. Die übrigen Angaben stammen aus den unten genannten Quellen; Stand der Recherche ist der 2. Oktober 2026.
Quellen & weiterführende Links
- heise onlineMicron: Speicher wird 2027 noch knapper als 2026
- TechPowerUpMicron CEO Says Memory Supply Will Be Much Tighter in 2027 and 2028 Than in 2026
- TrendForceAI Server Demand Sustains Memory Contract Price Increases in 4Q26
- TrendForceMemory Prices Soar; DRAM and NAND Flash to Account for 68% of Major CSP CapEx in 2027
- TrendForceServer DRAM Contract Prices Expected to Rise 13-18% QoQ in 3Q26
- ServNetServerpreise 2026: Wie Arbeitsspeicher das Rack verteuerte
- PC Server & PartsHow Much Does a Server Cost in 2026?
