Zum Hauptinhalt springen
Diese Website enthält mit KI erstellte Inhalte. Mehr erfahren
Hintergrundbild zu „Das Einfallstor liegt draußen: Was die Angriffswelle über Geräte und Dienstleister lehrt“KI
Aktuell

Das Einfallstor liegt draußen: Was die Angriffswelle über Geräte und Dienstleister lehrt

Kühlanlagen, Dienstleister, Registerzugänge: Warum Angreifer über die Lieferkette kommen und was das für Ihre Hardware-Beschaffung bedeutet.

  • Security
  • Cyber Crime
  • Hardware

Kühlanlagen in Supermärkten, eine Tunnelbaustelle, ein Rüstungszulieferer, Hochschulen in Baden-Württemberg: Die Liste der Cyberangriffe der vergangenen Tage ist lang. Auffällig ist weniger die Zahl als der Weg hinein. In vielen Fällen kamen die Angreifer nicht durch die Firewall der Opfer, sondern über etwas, das außerhalb ihrer Kontrolle lag: ein Gerät, einen Dienstleister, einen fremden Zugang. Für Unternehmen und Kommunen heißt das: Sicherheit endet nicht am eigenen Netzwerkkabel.

Die Lage: eine Welle auf allen Ebenen

Der IT-Journalist Günter Born spricht von einer beispiellosen Welle von Cyberangriffen auf technische Infrastruktur, die derzeit über Europa rollt. Einige Beispiele aus den vergangenen Wochen:

Ausgewählte Vorfälle

  1. September
    Dänemark

    Über den Registerzugang eines kleinen Dienstleisters fließen die Daten von 8,8 Millionen Menschen ab.

  2. 6. Oktober
    Egide, Frankreich

    Der Elektronikhersteller für Verteidigung sowie Luft- und Raumfahrt muss seine Produktion teilweise stilllegen. Der Angriff ging von einem externen IT-Dienstleister aus.

  3. 7. Oktober
    HSZ-BW, Reutlingen

    Der zentrale IT-Dienstleister vieler Hochschulen im Land wird angegriffen, inzwischen sind mehrere Pädagogische Hochschulen betroffen.

  4. 11./12. Oktober
    Supermärkte, Frankreich

    Angreifer manipulieren über das Internet erreichbare Kühlsteuerungen in Hunderten Märkten.

  5. 12. Oktober
    Fehmarnbelt-Tunnel

    Beim Baukonsortium fallen zentrale IT-Systeme und das Zugangskartensystem aus, mehrere am Bau beteiligte Schiffe liegen still.

    Heute

Hintergründe zu einzelnen Fällen haben wir in eigenen Beiträgen beschrieben: zum dänischen Registerleck, zum Angriff auf das HSZ-BW und zur Sabotage an Kühlanlagen.

Das Muster: Der Angriff kommt über das, was nicht kontrolliert ist

Die Fälle sind verschieden, aber sie haben einen gemeinsamen Nenner. Der Angriff kam fast nie über den Kern der eigenen IT, sondern über einen Rand, auf den das Opfer wenig Einfluss hatte:

Geräte

Fremde Technik im Netz

Kühlsteuerungen, die ein Fachbetrieb ans Netz gebracht hat und die teils keine Updates mehr erhielten

Dienstleister

Partner als Brücke

Ein externer IT-Partner bei Egide, ein zentraler Dienstleister beim HSZ-BW, ein kleiner Abfragedienst in Dänemark

Zugänge

Vertrauen ohne Kontrolle

Konten und Passwörter, die außerhalb des eigenen Hauses verwaltet und dort zu schwach geschützt waren

Wer sein eigenes Netz gut absichert, hat damit nur einen Teil der Fläche abgedeckt. Der Rest ist die Lieferkette: alle Geräte, Dienste und Partner, denen man vertraut, ohne sie selbst im Griff zu haben. Einen Teil dieser Lieferkette haben Sie allerdings selbst in der Hand – die Geräte, die Sie kaufen.

Ein Extremfall: ein echtes Gerät mit einem Spion darin

Wie weit das gehen kann, zeigt ein Fall aus der Kryptowelt. Hardware-Wallets gelten als besonders sicher, weil sie offline arbeiten. Trotzdem haben Käufer bestimmter Geräte zusammen viele Millionen verloren. Die Täter bauten zusätzliche Hardware in offenbar echte Geräte des Typs Ledger Nano X ein und verkauften sie an ahnungslose Käufer. Weil die Wallets eigentlich offline arbeiten, kamen noch ein LTE-Modem, ein winziges eSIM-Modul und eine Antenne dazu – gespeist aus dem ohnehin eingebauten Akku. Beim Einrichten las das Implantat die Wiederherstellungswörter vom Display ab und schickte sie per Mobilfunk an die Angreifer.

Der Köder

Halber Preis

Manipulierte Geräte waren laut Sicherheitsforschern für fast den halben Originalpreis zu haben.

Die Bezugsquelle

Offizieller Händler

Verkauft über einen offiziellen Vertriebspartner in Südostasien, der im März 2026 den Besitzer gewechselt hatte.

Der Schaden

Bis zu 93,4 Mio. US-Dollar

Geschätzte Verluste der Betroffenen in Kryptowährungen

Die Lehre

Wer die Herkunft eines Geräts nicht kennt, weiß nicht, was darin steckt.

Was das mit Ihrem Büro-Notebook zu tun hat

Zur Einordnung: Eine Welle manipulierter Büro-Hardware ist nicht bekannt. Der Ledger-Fall ist ein Extrembeispiel, und keiner der aktuellen Angriffe auf Infrastruktur lief nach bisherigem Stand über präparierte Geräte. Die alltäglichen Probleme bei eigenmächtig gekaufter Hardware sind weniger spektakulär, folgen aber demselben Muster: Ein Gerät kommt an der IT vorbei ins Unternehmen, und niemand weiß genau, woher es stammt und wie es gepflegt wird.

Dazu kommt der Preisdruck. Wie wir im Beitrag „Speicher bleibt knapp bis 2028“ beschrieben haben, bleibt Hardware voraussichtlich auf Jahre teuer. Je größer der Preisunterschied zum Marktplatzangebot, desto größer die Versuchung – und desto genauer sollte man hinsehen.

Die versteckten Kosten des Selbstkaufs

Rot: Sicherheits- oder Haftungsrisiko. Gelb: Mehraufwand, der die Ersparnis auffrisst.

Risiko

Unbekannte Herkunft

Neuware, Rückläufer, Ausstellungsstück oder Gebrauchtgerät mit neuem Etikett? Bei Marktplatzangeboten lässt sich das oft nicht feststellen – und damit auch nicht, wer das Gerät vorher in der Hand hatte.

Nur bei nachvollziehbaren Bezugsquellen kaufen

Risiko

Garantie, die nicht greift

Bei Grauimporten oder Geräten aus anderen Vertriebsregionen kann die Herstellergarantie eingeschränkt sein oder fehlen. Vor-Ort-Service und Garantieverlängerungen lassen sich dann häufig nicht nachbuchen.

Garantieland und Servicelaufzeit vor dem Kauf prüfen

Aufwand

Veraltete Firmware

Lange gelagerte oder vorher genutzte Geräte kommen oft mit altem BIOS- und Firmwarestand. Sicherheitsupdates müssen erst nachgezogen werden – falls das überhaupt geht.

Vor dem Einsatz aktualisieren lassen

Risiko

Fragwürdige Lizenzen

Besonders günstige Software- oder Windows-Lizenzen auf Gebrauchtgeräten halten einer Prüfung nicht immer stand.

Lizenzen über nachvollziehbare Wege beziehen

Risiko

Unsichtbar für die IT

Ein Gerät, von dem die IT nichts weiß, steht in keinem Inventar, bekommt keine geplanten Updates und taucht im Monitoring nicht auf – bis es Probleme macht.

Jedes Gerät erfassen und einbinden

Aufwand

Die Ersparnis ist schnell weg

Einrichtung, Einbindung, Fehlersuche und im Zweifel ein Ersatzkauf kosten Arbeitszeit – und die ist meist teurer als der Preisvorteil.

Gesamtkosten statt Kaufpreis vergleichen

Auch eine Frage der Pflichten

Mit NIS2 rückt die Sicherheit der Lieferkette ausdrücklich in den Fokus – bei Komponenten wie bei Dienstleistern. Organisationen sollen wissen, woher ihre IT stammt, wer Zugriff hat und wie diese Partner selbst abgesichert sind. Ein Gerät vom Marktplatz, dessen Weg sich nicht nachvollziehen lässt, ist dabei das Gegenteil eines Nachweises. Mehr dazu in unserem Beitrag „Haftung entsteht durch fehlende Nachweise“.

Wie wir das handhaben

Nachvollziehbare Beschaffung

Wir beziehen Hardware über autorisierte Distributionswege. Herkunft, Garantie und Servicelaufzeit sind damit dokumentiert.

Einrichtung nach Standard

Neue Geräte bekommen vor der Übergabe aktuelle Firmware, Updates und Ihre Sicherheitseinstellungen.

Im Inventar, nicht im Schrank

Jedes Gerät landet im SimpleAssetManager – mit Seriennummer, Garantieende und Zuordnung.

Im Blick behalten

Über unser Monitoring ITPuls sehen wir, wenn ein Gerät keine Updates mehr erhält oder auffällig wird.

Fremdzugänge kontrollieren

Fernwartung für Fachbetriebe und Dienstleister nur über definierte, abgesicherte Wege mit Mehr-Faktor-Authentifizierung und Protokollierung – auch für uns selbst.

Dabei geht es nicht darum, dass jeder günstige Kauf gefährlich wäre. Entscheidend ist, dass Beschaffung und Zugänge abgestimmt sind und alles, was ins Netz kommt, danach ordentlich eingebunden wird – etwa im SimpleAssetManager und im Rahmen unserer Managed Services.

Was Sie jetzt tun können

  1. Vor dem Gerätekauf kurz fragen: Eine Rückfrage bei der IT kostet zwei Minuten und erspart oft Stunden.
  2. Bei auffällig günstigen Angeboten misstrauisch sein: Liegt der Preis deutlich unter dem Marktniveau, hat das einen Grund.
  3. Inventar vervollständigen: Auch selbst gekaufte Geräte und von Fachbetrieben installierte Anlagentechnik gehören ins Inventar.
  4. Dienstleisterzugänge prüfen: Wer hat heute Fernzugriff auf Ihre Systeme – und wie ist dieser Zugang geschützt?

Fazit

Die Angriffswelle der vergangenen Tage zeigt: Die Schwachstelle liegt immer öfter nicht im eigenen Rechenzentrum, sondern bei dem, dem man vertraut, ohne es zu kontrollieren. Bei Dienstleistern hat man das nur begrenzt in der Hand. Bei der eigenen Hardware schon: Wer weiß, woher seine Geräte kommen und wer darauf zugreift, schließt einen Teil der Lieferkette, den Angreifer sonst nutzen könnten.

Wissen Sie, was in Ihrem Netz steckt und wer darauf zugreift?

Wir helfen bei Beschaffung, Inventar und abgesicherten Fernzugängen – damit Ihre Lieferkette nicht zum Einfallstor wird.

Kontakt aufnehmen

Quellen & weiterführende Links

Recherche-Stand: 14. Oktober 2026

Angriffswelle: Die Lieferkette als Einfallstor