KI14,3 Milliarden für IT-Sicherheit – und trotzdem bleibt der Budgetanteil bei 18 Prozent
Bitkom: IT-Sicherheitsmarkt wächst auf 14,3 Mrd. Euro, doch der Budgetanteil stagniert bei 18 Prozent. Was Geschäftsführung und Kämmerei für 2027 daraus ableiten sollten.
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Der deutsche Markt für IT-Sicherheit wächst 2026 um 11,7 Prozent auf 14,3 Milliarden Euro und soll 2027 erstmals die 15-Milliarden-Marke überschreiten. Das hat der Digitalverband Bitkom am 28. Oktober 2026 auf der it-sa in Nürnberg auf Basis von IDC-Daten vorgestellt. Die interessantere Zahl steht allerdings im Kleingedruckten: Der Anteil der Sicherheitsausgaben am IT-Budget bleibt mit 18 Prozent unverändert – unter dem Richtwert von 20 Prozent, den Bitkom und BSI empfehlen. Die Ausgaben wachsen also, weil die IT-Budgets insgesamt wachsen, nicht weil Sicherheit Priorität bekommt.
Für Geschäftsführungen und Kämmereien, die gerade über das Budget 2027 verhandeln, lohnt ein genauer Blick auf die Segmente: Software legt am stärksten zu, Hardware soll nach einem ungewöhnlich starken Beschaffungsjahr 2027 sogar zurückgehen, und bei den Dienstleistungen – also dem Betrieb der ganzen Technik – fällt das Wachstum am geringsten aus.
14,3 Mrd. €
15,8 Mrd. €
18 %
Wohin das Geld fließt
| Segment | 2026 | Veränderung zu 2025 | Prognose 2027 | Veränderung zu 2026 |
|---|---|---|---|---|
| Sicherheitssoftware (Endpoint, Cloud, IAM, Angriffserkennung) | 7,8 Mrd. € (55 %) | +14,5 % | 8,9 Mrd. € | +14,6 % |
| Dienstleistungen (Beratung, Integration, Managed Security Services) | 5,3 Mrd. € | +7,3 % | 5,7 Mrd. € | +8,4 % |
| Hardware (Firewalls, Security-Appliances) | 1,2 Mrd. € | +14,6 % | knapp 1,2 Mrd. € | −4,2 % |
Die Zahlen stammen aus dem IDC Worldwide Security Spending Guide (Stand Juli 2026) und wurden vom Bitkom am 28. Oktober 2026 auf der it-sa in Nürnberg vorgestellt. Zwei Details fallen auf. Erstens: Hardware ist 2026 das Segment mit dem stärksten Zuwachs, soll 2027 aber als einziges schrumpfen – Bitkom spricht von einem „außergewöhnlich starken Beschaffungsjahr“. Das deckt sich mit dem, was wir im Markt beobachten: Viele Firewalls und Gateways wurden 2026 getauscht, weil Modelle ausgelaufen sind oder nach den Angriffswellen auf Randgeräte vorgezogen wurde, was eigentlich für 2027 geplant war. Zweitens: Software wächst doppelt so schnell wie Dienstleistungen. Lizenzen für Endpoint-Schutz, Identitätsmanagement und Angriffserkennung sind einfacher zu budgetieren als Beratung – ob sie ohne Betrieb und Auswertung auch wirken, ist eine andere Frage.
Die andere Seite der Rechnung: 211 Milliarden Euro Schaden
Bitkom stellt den Ausgaben die Ergebnisse der Studie „Wirtschaftsschutz 2026“ gegenüber, für die 1.003 Unternehmen ab zehn Beschäftigten befragt wurden. Danach entsteht der deutschen Wirtschaft durch Datendiebstahl, Industriespionage und Sabotage ein jährlicher Schaden zwischen 211 und 270,8 Milliarden Euro; 76 Prozent davon gehen auf Cyberangriffe zurück. Der IT-Sicherheitsmarkt entspricht damit grob einem Fünfzehntel des Schadens. 96 Prozent der befragten Unternehmen waren im zurückliegenden Jahr betroffen oder vermuten es – wobei der Anteil der nur vermuteten Fälle von 10 auf 29 Prozent gestiegen ist. Ransomware traf 25 Prozent der Unternehmen, nach 34 Prozent im Vorjahr.
Das wachsende Dunkelfeld
Dass fast ein Drittel der Unternehmen einen Angriff nur noch vermutet, statt ihn sicher zu kennen, ist für uns die wichtigste Zahl der Studie. Sie bedeutet nicht, dass weniger passiert – sondern dass weniger gesehen wird. Wer keine Protokolle auswertet und keine Angriffserkennung betreibt, kann die Frage „Waren wir betroffen?“ schlicht nicht beantworten. Genau dort entsteht der Unterschied zwischen einem Budget, das Lizenzen kauft, und einem Budget, das Sicherheit kauft.
Was die 20-Prozent-Marke für kleinere Organisationen bedeutet
Der Richtwert von 20 Prozent des IT-Budgets ist eine Quote, keine Summe – und genau deshalb für Kommunen und Mittelständler nicht egal. Laut Bitkom erreichen oder übertreffen ihn 45 Prozent der Unternehmen, im Vorjahr waren es 41 Prozent. Der Durchschnitt liegt dennoch bei 18 Prozent, weil viele Organisationen deutlich darunter bleiben. Wer wissen will, wo er steht, muss zuerst ehrlich zählen. Drei Fragen helfen dabei:
- Was zählt überhaupt als Sicherheitsausgabe? Endpoint-Schutz, E-Mail-Filter, Firewall samt Subscription, Backup mit unveränderlicher Ablage, MFA-Hardware, Awareness-Training, Protokollauswertung. Nicht dazu gehört der Server, auf dem die Fachanwendung läuft – auch wenn er gepatcht wird. Viele Organisationen rechnen sich ihre Quote schön, weil die gesamte Infrastruktur als „Sicherheit“ gezählt wird.
- Was ist der Nenner? Bei einer Gemeinde mit 150.000 Euro IT-Budget sind 20 Prozent 30.000 Euro im Jahr. Das reicht für Lizenzen und einen Grundschutz, aber nicht für eigenes Personal, das Alarme bewertet. Deshalb landet der Dienstleistungsanteil bei kleinen Organisationen fast zwangsläufig bei einem Managed-Service – oder er fehlt ganz.
- Wird das Budget nach Risiko oder nach Katalog verteilt? Die Bitkom-Zahlen zeigen, dass Software den größten Teil ausmacht. Ein Produkt zu kaufen ist aber nur der Anfang. Wer 2026 eine neue Firewall beschafft hat, sollte 2027 nicht sparen, sondern das freiwerdende Hardware-Budget in Betrieb, Monitoring und Übungen des Notfallplans umschichten.
Einordnung
- Der Markt wächst, die Quote nicht. Zwei Jahre in Folge zweistelliges Wachstum bei konstantem Budgetanteil heißt: Die IT-Budgets insgesamt steigen, Sicherheit wächst nur mit. Eine bewusste Umschichtung zugunsten der Sicherheit findet im Durchschnitt nicht statt. Das ist bei einem Schadenskorridor von 211 bis 270 Milliarden Euro schwer zu rechtfertigen.
- Regulierung wird zum Treiber. Bitkom verweist auf den Cyber Resilience Act und die NIS-2-Umsetzung als Grund für das erwartete Wachstum 2027. Für Geschäftsführungen heißt das: Die Frage nach dem Sicherheitsbudget ist keine IT-Frage mehr, sondern eine Nachweisfrage – wir haben das im Beitrag zur Geschäftsführerhaftung ausführlich beschrieben.
- Der Rückgang bei Hardware ist kein Entwarnungssignal. Firewalls und Gateways bleiben 2027 das bevorzugte Ziel von Angreifern, wie die Angriffswellen im Oktober gezeigt haben. Weniger Neukauf bedeutet, dass die 2026 beschafften Geräte länger laufen – und damit umso konsequenter gepatcht und überwacht werden müssen.
- Die Zahl, die fehlt: Wie lange hält der Betrieb ohne IT durch? Die Bitkom-Zahlen messen Ausgaben und Schäden, nicht Widerstandsfähigkeit. Wer sein Budget prüft, sollte parallel die Frage aus unserem Beitrag zur Ausfalldauer beantworten: Welche Prozesse stehen nach 24 Stunden still, und was kostet jeder Tag? Erst dann lässt sich beurteilen, ob 18 oder 20 Prozent angemessen sind.
Quellen & weiterführende Links
- Bitkom e. V.IT-Sicherheit: Deutscher Markt wächst zweistellig und knackt 2027 die 15-Milliarden-Euro-Marke (Presseinformation, 28.10.2026)
- Bitkom e. V.Studienbericht Wirtschaftsschutz 2026 – Lagebild der deutschen Wirtschaft
- Bitkom e. V.Angriffe auf die deutsche Wirtschaft: Spur führt immer öfter zu ausländischen Geheimdiensten (Presseinformation zur Wirtschaftsschutz-Studie)
- etailmentSicherheit macht 18 Prozent der IT-Budgets aus (29.10.2026) – Anlass dieses Beitrags
- Cash.OnlineBitkom-Studie: Geheimdienste hinter jedem dritten Angriff auf deutsche Firmen – mit Angaben zur 20-Prozent-Quote
