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Die Stimme klingt echt, der Anrufer ist es nicht: Deepfakes sind im Arbeitsalltag angekommen

41 Prozent der CISOs melden Deepfake-Anrufe. Was die Gartner-Umfrage zeigt und welche Abläufe Unternehmen und Kommunen vor gefälschten Anrufen schützen.

  • Cyber Crime
  • Identität & Zugang
  • KI

Ein Anruf vom Geschäftsführer, die Stimme vertraut, der Ton dringend: Eine Überweisung muss heute noch raus. Was vor wenigen Jahren nach Science-Fiction klang, gehört inzwischen zum Alltag von Sicherheitsverantwortlichen. Eine neue Gartner-Umfrage zeigt, wie verbreitet Deepfake-Angriffe auf Unternehmen bereits sind – und warum die bisherigen Erkennungsmerkmale nicht mehr reichen.

Was die Umfrage zeigt

Gartner hat zwischen März und Mai 2026 insgesamt 297 Führungskräfte aus der Cybersicherheit befragt, darunter CISOs und Personen in vergleichbaren Positionen. Gefragt wurde, welche Social-Engineering-Vorfälle sie in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben.

Deepfake im Audioanruf

41 %

Deepfake im Videoanruf

36 %

Phishing per Telefon oder SMS

58 %

E-Mail-Phishing und Business E-Mail Compromise

79 %

Nach Einschätzung von Gartner steigert KI Menge, Personalisierung und Glaubwürdigkeit von Social-Engineering-Angriffen. Gleichzeitig verlieren die gewohnten Erkennungsmerkmale an Zuverlässigkeit.

Der Kern

Wer sich darauf verlässt, eine Fälschung am Klang oder am Bild zu erkennen, verliert dieses Rennen. Die Technik der Angreifer wird schneller besser als unser Ohr.

Neu ist die Kombination, nicht der Trick

Deepfakes ersetzen die bekannten Maschen nicht, sie verstärken sie. Laut Gartner können Angreifer Phishing, Business E-Mail Compromise, synthetische Medien und gesammelte persönliche Informationen über mehrere Kanäle hinweg kombinieren.

Ein typischer Ablauf: Erst kommt eine E-Mail, die angeblich vom Chef stammt. Kurz darauf folgt ein Anruf mit seiner geklonten Stimme, der die E-Mail „bestätigt“. Jeder Kanal für sich wirkt glaubwürdig – zusammen erscheinen sie überzeugend.

Gartner betont aber auch etwas Beruhigendes: Die meisten Angriffe stützen sich weiterhin auf Nutzer, gestohlene Zugangsdaten, schwache Wiederherstellungsprozesse und bekannte technische Methoden. Wer genau diese Stellen absichert, nimmt auch Deepfake-Angriffen einen großen Teil ihrer Wirkung.

Wo Deepfakes besonders gefährlich sind

Zahlungsfreigaben

Der vermeintliche Geschäftsführer verlangt eine dringende Überweisung, die angeblich „vertraulich“ ist.

Passwort- und MFA-Rücksetzungen

Ein angeblicher Mitarbeiter ruft beim Helpdesk an, hat sein Handy „verloren“ und braucht schnell einen neuen Zugang.

Geänderte Bankverbindungen

Ein vermeintlicher Lieferant bestätigt am Telefon die neue Kontonummer, die vorher per E-Mail kam.

Freigaben in Verwaltungen

Ein Anruf „aus dem Rathaus“ oder „vom Landratsamt“ soll einen Vorgang beschleunigen.

Was Sie jetzt tun können

  1. Rückruf über bekannte Nummern: Bei ungewöhnlichen Anweisungen auflegen und selbst zurückrufen – über die Nummer aus dem eigenen Adressbuch, nicht über die angezeigte.
  2. Vier-Augen-Prinzip für Geld und Zugänge: Keine Überweisung, keine Änderung der Bankverbindung und keine Zugangs-Rücksetzung aufgrund eines einzigen Anrufs.
  3. Dringlichkeit als Warnsignal: „Sofort“, „vertraulich“ und „nicht über die üblichen Wege“ sind die klassischen Hebel. Wer sie hört, sollte langsamer werden, nicht schneller.
  4. Wiederherstellungsprozesse härten: Der Helpdesk braucht ein festes Verfahren, um die Identität eines Anrufers zu prüfen, bevor Passwörter oder MFA zurückgesetzt werden.
  5. Phishing-resistente Anmeldung: Sicherheitsschlüssel und Passkeys lassen sich am Telefon nicht weitergeben. Mehr dazu in unserem Beitrag „MFA ist aktiv – und das Konto trotzdem weg“.
  6. Mitarbeitende regelmäßig sensibilisieren: Wie das ohne großen Aufwand gelingt, beschreibt unser Beitrag „Der letzte Klick“.

Woran wir arbeiten

Diese Maßnahmen wirken. Sie hängen aber davon ab, dass Menschen im entscheidenden Moment an sie denken – oft unter Zeitdruck. Deshalb arbeiten wir intensiv an eigenen Lösungen für zwei Bereiche, die wir für entscheidend halten:

  • Identitäten überwachen: Ungewöhnliches Verhalten von Benutzerkonten früh erkennen, im lokalen Netzwerk wie in der Cloud, bevor aus einer gekaperten Identität ein Vorfall wird.
  • Kommunikation absichern: Wir arbeiten an neuen Ideen dafür, wie sich Gespräche und Nachrichten besser gegen Fälschungen schützen lassen.

Wann daraus etwas Konkretes für unsere Kunden wird, lässt sich heute noch nicht sagen. Wir halten Sie hier auf dem Laufenden.

Fazit

Deepfakes machen Social Engineering nicht neu, aber deutlich glaubwürdiger. Die gute Nachricht: Klare Abläufe für Zahlungen, Zugänge und Rückrufe schützen auch gegen die beste Fälschung. Die Stimme zu prüfen funktioniert immer weniger – den Weg zu prüfen funktioniert weiterhin.

Wie gut sind Ihre Abläufe gegen einen gefälschten Anruf geschützt?

Wir prüfen gemeinsam mit Ihnen Freigabe- und Wiederherstellungsprozesse, Anmeldeverfahren und Sensibilisierung – damit ein überzeugender Anruf nicht reicht.

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Quellen & weiterführende Links

Recherche-Stand: 15. Oktober 2026

Deepfake-Anrufe: Wenn die Stimme echt klingt