KITMOG: Der Urheber des Windows-Task-Managers legt nach – was Admins vor dem Einsatz wissen sollten
Dave Plummer, Autor des Windows-Task-Managers, hat mit TMOG 1.0 einen neuen Task-Manager veröffentlicht. Was er kann und was Admins vorab prüfen sollten.
- Monitoring
- KI
- Security
Dave Plummer hat in den 1990er-Jahren den Task-Manager geschrieben, der seit Windows NT 4.0 fester Bestandteil von Windows ist. Rund dreißig Jahre später hat der ehemalige Microsoft-Entwickler mit TMOG – kurz für „Task Manager OG“ – ein eigenes Werkzeug zur Systemüberwachung herausgebracht, das unter Windows, macOS und Linux läuft. Die Grundversion ist kostenlos, eine Pro-Variante wird pro Gerät lizenziert.
Für IT-Verantwortliche ist dabei weniger die Optik im Stil alter Röhrenmonitore interessant als die Frage, ob und unter welchen Bedingungen man ein solches Werkzeug auf Firmengeräten zulässt. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Vom Nebenprojekt zur Version 1.0
Dreißig Jahre Task-Manager
- 1996Task-Manager in Windows NT 4.0
Plummer hatte das Werkzeug privat begonnen. Dave Cutler, Chefentwickler von Windows NT, ließ es anschließend in das Betriebssystem übernehmen.
- Sommer 2026Erste Beta für macOS
TMOG erscheint zunächst als kostenlose Testversion für den Mac, Windows und Linux sollen folgen.
- 23. August 2026Offizielle Vorstellung
Kurz darauf steht Beta2 (Version 0.1.1) für alle drei Plattformen zum Download bereit.
- Herbst 2026Version 1.0.0 RTM
Die fertige Version ist verfügbar, für Windows bereits als Hotfix 1.0.1 mit mehreren Stabilitätskorrekturen.
Heute
Bemerkenswert ist die Entstehung. Plummer hat den Code nach eigenen Angaben nicht Zeile für Zeile selbst geschrieben, sondern eine rund 107 Seiten lange Spezifikation an Claude Code übergeben, ein KI-Werkzeug von Anthropic für die Softwareentwicklung. Laut Tom's Hardware lagen die ersten lauffähigen Fassungen nach etwa viereinhalb Stunden vor. Das Ergebnis ist also kein Zufallsprodukt eines kurzen Prompts, sondern die Umsetzung eines sehr genauen Pflichtenhefts durch jemanden, der das Problemfeld seit Jahrzehnten kennt.
KIWas technisch dahintersteckt
Die wichtigsten Eigenschaften im Überblick
Nativ statt Browser-Hülle
Windows-Version in C++ mit der Win32-Schnittstelle, macOS in Swift/AppKit, Linux in C++ mit Qt 6 – darunter ein gemeinsamer Messkern in C++20. Kein Electron, also kein mitgeliefertes Browser-Framework, das selbst Ressourcen verbraucht.
Zwölf Ansichten
Neben Prozessen, Diensten, Benutzern und Autostart gibt es unter anderem Energie- und Temperaturwerte, Netzwerkverbindungen, installierte Software, Speicherplatzbelegung und Benchmarks.
Keine erfundenen Messwerte
TMOG unterscheidet zwischen „null gemessen“ und „nicht verfügbar“. Fallen Messungen aus, bleibt im Diagramm eine Lücke, statt dass eine glatte Linie hineingerechnet wird.
PID plus Identität
Jede Prozess-ID wird mit der Identität des Prozesses beim Start verknüpft. Vergibt das System eine Nummer neu, trifft eine Aktion wie „Beenden“ nicht versehentlich den falschen Prozess.
Leistungs- und Effizienzkerne getrennt
Die CPU-Ansicht hebt P- und E-Kerne farblich hervor und kann zwischen Gesamtsicht, einzelnen logischen Prozessoren und NUMA-Knoten wechseln.
Flight Recorder (Pro)
In der kostenpflichtigen Variante lassen sich Telemetriedaten aufzeichnen und später abspielen – praktisch, um eine langsame Phase nachträglich zu untersuchen.
Einsatz im Unternehmen: eine Einschätzung
Ein Task-Manager läuft häufig mit Administratorrechten und sieht jeden Prozess auf dem System. Wer TMOG auf Firmengeräten zulassen möchte, sollte deshalb nicht bei der Oberfläche stehen bleiben, sondern Plattform, Wartungszusagen und Netzwerkverhalten prüfen.
Wo TMOG passt – und wo eher nicht
Windows-11-Rechner von Technikern
Windows 11 ist die offiziell genannte Zielplattform, sowohl für x64 als auch ARM64. Anwendung, Installer und Bildschirmschoner sind digital signiert.
Unter Windows mindestens Version 1.0.1 einsetzen.
Windows Server und RDS-Sessionhosts
Server werden als Zielsystem nicht genannt. Der Hotfix 1.0.1 behebt zwar Startprobleme auf Systemen ohne WLAN-Dienst – eine Supportzusage für Server ist das aber nicht.
Allenfalls testweise, nicht auf produktiven Sessionhosts verteilen.
Pro-Lizenz und servergespeicherte Profile
Die Lizenzdatei liegt unverschlüsselt unter %LOCALAPPDATA%\TMOG\license.json, enthält den Lizenzschlüssel und ist über einen Hash an das jeweilige Gerät gebunden.
Pro-Lizenzen pro Gerät planen, die Datei nicht in geteilte Ablagen kopieren.
Umgebungen mit Pflicht zu Herstellerzusagen
Der Anbieter sagt ausdrücklich weder Weiterentwicklung noch Support oder Sicherheitsupdates zu – weder für die freie noch für die Pro-Version.
In regulierten Bereichen und kommunalen Fachverfahren nicht als Standardwerkzeug vorsehen.
KIWas Administratoren vor der Freigabe prüfen sollten
- Herkunft und Version: Installer nur von tmog.org beziehen, die dort je Download angegebene SHA-256-Prüfsumme abgleichen und die Signatur kontrollieren (Befehl unten). Unter Windows nur Version 1.0.1 oder neuer einsetzen.
- Zusammenspiel mit dem Endpoint-Schutz: Lief TMOG vor 1.0.1 als Administrator, ließ es für die Ansicht „App-Verlauf“ eine Schattenkopie löschen, aus der es zuvor gelesen hatte. Sicherheitssoftware hat das gemeldet – zu Recht, denn das Löschen von Schattenkopien ist ein typisches Ransomware-Muster. Solche Meldungen in der ESET- oder Sophos-Konsole einordnen, aber keine pauschale Ausnahme für das Programm anlegen.
- Ausgehender Verkehr: Die Windows-Version ruft beim Start per HTTPS ein Release-Manifest ab, solange die Option „Check for Updates on App Start“ aktiv ist. Laut Anbieter werden dabei weder Version noch System- oder Prozessdaten übertragen. In Umgebungen mit strikter Ausgangsfilterung die Option abschalten oder tmog.org bewusst in der Firewall regeln.
- Anwendungssteuerung: Wer AppLocker oder App Control for Business (WDAC) nutzt, sollte TMOG über eine Herausgeberregel freigeben statt über einen Pfad, den Benutzer selbst beschreiben können.
- Inventar und Verantwortung: TMOG wie jede Freeware ohne Wartungszusage ins Software-Inventar aufnehmen und einen Verantwortlichen benennen, der Updates im Blick behält.
Installer vor der Freigabe prüfen
Prüfsumme berechnen und Signatur auslesen – beides ohne Zusatzmodule in PowerShell 5.1 und 7. Den Pfad bei Bedarf anpassen und den Hash mit dem Wert auf tmog.org vergleichen.
$Installer = Join-Path $env:USERPROFILE 'Downloads\TMOG-Task-Manager-Setup.exe'
if (-not (Test-Path -Path $Installer)) {
throw "Datei nicht gefunden: $Installer"
}
# SHA-256-Prüfsumme berechnen
Get-FileHash -Path $Installer -Algorithm SHA256 | Select-Object Algorithm, Hash
# Signaturstatus und Herausgeber anzeigen
Get-AuthenticodeSignature -FilePath $Installer |
Select-Object Status, @{ Name = 'Herausgeber'; Expression = { $_.SignerCertificate.Subject } }Kostenlos heißt nicht gepflegt
Der Anbieter verspricht, bestehende Funktionen der freien Version nicht nachträglich hinter die Pro-Lizenz zu verschieben. Eine Zusage für Wartung, Kompatibilität oder Sicherheitsupdates ist damit ausdrücklich nicht verbunden. Für ein Werkzeug, das mit Administratorrechten läuft, ist das der wichtigste Punkt bei der Bewertung.
Einordnung
Drei Punkte nehmen wir aus TMOG mit, die über das einzelne Programm hinausgehen:
- Die Vorgabe entscheidet, nicht das Werkzeug. TMOG zeigt, was KI-gestützte Entwicklung leisten kann, wenn ein erfahrener Entwickler sehr genau beschreibt, was entstehen soll. Ohne dieses Fachwissen entsteht schnell Code, den niemand mehr sinnvoll prüfen kann. Das deckt sich mit unserer Erfahrung aus der eigenen Produktentwicklung.
- Ehrliche Messwerte sind eine Anforderung an jedes Monitoring. Der Grundsatz, zwischen „null“ und „unbekannt“ zu unterscheiden, gilt nicht nur für einen Task-Manager. Ein ausgefallener Sensor, der stillschweigend null meldet, ist gefährlicher als eine sichtbare Lücke in der Überwachung.
- Beliebte Admin-Werkzeuge brauchen einen kurzen Freigabeweg. Programme bekannter Entwickler landen erfahrungsgemäß schnell auf Technikerrechnern. Ein schlanker Prüf- und Freigabeprozess ist wirksamer als ein Verbot, das umgangen wird.
Anlass dieses Beitrags ist die Meldung bei Golem.de. Alle technischen Angaben haben wir anhand der Herstellerseiten und weiterer Fachmedien selbst nachrecherchiert.
Quellen & weiterführende Links
- Golem.deTMOG für Windows, Linux, macOS: Erschaffer des Task-Managers baut eigenen Task-Manager (Anlass)
- Plummers' Software LLCTMOG – Produktseite und Downloads
- Plummers' Software LLCTMOG Release Notes (1.0.0 RTM, Windows-Hotfix 1.0.1)
- Plummers' Software LLCTMOG Privacy und Umfang der freien Version
- Plummers' Software LLCTMOG PRO und kommerzielle Lizenz
- Tom's HardwareWindows veteran's vibe-coded Task Manager now also runs on Mac and Linux
- Thurrott.comDave Plummer Has Made the Task Manager of Your Dreams
- WikipediaTask Manager (Windows)
Recherchestand: 8. Oktober 2026
