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Tanken 2023 bis 2026: Wie Ölpreis, Krieg und Steuern den Literpreis bestimmen

Drei Jahre Spritpreise im Vergleich zum Ölpreis: warum Tanken 2026 so teuer ist wie nie, welche Rolle Raffinerien spielen und was der Staat je Liter einnimmt.

  • Politik

Der September 2026 war der teuerste Tankmonat, den Deutschland je erlebt hat. Wir haben uns die vergangenen drei Jahre angesehen und die Preise an der Zapfsäule dem Rohölpreis gegenübergestellt. Das Ergebnis: Bis Ende 2025 folgte der Literpreis weitgehend dem Barrel. Seit dem Iran-Krieg geht diese Rechnung nicht mehr auf.

Super E10, Ø September 2026

2,266 €

Diesel, Ø September 2026

2,386 €

Staatseinnahmen aus Kraftstoffen

≈ 58 Mrd. €

Liniendiagramm der monatlichen Durchschnittspreise für Super E10 und Diesel von Oktober 2023 bis September 2026 mit Rekord im September 2026KI
Monatliche Durchschnittspreise für Super E10 und Diesel, Oktober 2023 bis September 2026. Quelle: ADAC

Drei Jahre, drei Phasen

Von Herbst 2023 bis Ende 2024 gaben die Preise langsam nach. 2025 wurde das günstigste Tankjahr seit Langem. 2026 kam der Bruch: Mit dem Krieg gegen den Iran und der faktischen Sperrung der Straße von Hormus stiegen die Preise auf Rekordniveau.

Wichtige Wendepunkte am Ölmarkt und an der Zapfsäule

  1. Herbst 2023
    Hohes Ausgangsniveau

    Im September 2023 kostet E10 im Schnitt 1,884 €, Diesel 1,832 €. Brent liegt im Jahresmittel bei rund 82 Dollar je Barrel.

  2. 2024
    Langsamer Rückgang

    Brent sinkt leicht auf rund 80 Dollar. Die CO₂-Abgabe steigt von 30 auf 45 €/t und bremst den Preisrückgang an der Zapfsäule.

  3. April 2025
    Zölle und mehr OPEC-Öl

    Neue US-Zölle und die überraschend schnelle Förderausweitung von OPEC+ drücken Brent zeitweise unter 67 Dollar.

  4. Juni 2025
    Zwölf-Tage-Krieg bleibt Episode

    Der kurze Konflikt zwischen Israel und dem Iran treibt Brent kurz auf 81 Dollar, nach der Deeskalation fällt der Preis wieder.

  5. Gesamtjahr 2025
    Günstigstes Tankjahr seit Langem

    Brent im Mittel bei 69 Dollar, E10 bei 1,688 €, Diesel bei 1,611 €. Das Ölangebot übersteigt die Nachfrage.

  6. 28. Februar 2026
    Beginn des Iran-Kriegs

    Nach Angriffen der USA und Israels kommt der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus nahezu zum Erliegen. Rund ein Fünftel des seegehandelten Öls passiert diese Meerenge.

  7. März/April 2026
    Ölpreis über 100 Dollar

    Brent übersteigt am 8. März die 100-Dollar-Marke und erreicht in der Spitze rund 126 Dollar. Die IEA gibt 400 Mio. Barrel aus Notreserven frei.

  8. Mai/Juni 2026
    Erster Tankrabatt

    Die Energiesteuer sinkt für zwei Monate um 14,04 Cent je Liter. Mitte Juni folgt eine Waffenruhe, Brent fällt Anfang Juli bis auf rund 70 Dollar.

  9. Juli 2026
    Erneute Eskalation

    Die Waffenruhe bricht, Brent steigt wieder auf 100 Dollar. Diesel verteuert sich innerhalb des Monats um fast 27 Cent je Liter.

  10. September 2026
    Allzeit-Rekord an der Zapfsäule

    E10 kostet im Schnitt 2,266 €, Diesel 2,386 €, obwohl Rohöl deutlich unter dem Frühjahrshoch liegt.

  11. 1. Oktober 2026
    Zweiter Tankrabatt

    Bis 31. Dezember sinkt die Energiesteuer erneut. Rechnerisch sind bis zu 16,7 Cent je Liter Entlastung möglich.

    Heute

Ölpreis und Zapfsäule: Wo die Rechnung nicht mehr aufgeht

Ein Barrel Rohöl entspricht 159 Litern. Rechnet man den Brent-Preis über den Euro-Dollar-Kurs auf den Liter um, erhält man den reinen Rohölanteil am Spritpreis. Die folgende Tabelle stellt ihn den Jahresdurchschnitten an der Tankstelle gegenüber.

JahrBrent Ø (US-$/Barrel)Rohölanteil ≈ (ct/Liter)Super E10 ØDiesel ØCO₂-Preis
202382,49≈ 481,791 €1,722 €30 €/t
202480,52≈ 471,739 €1,649 €45 €/t
202569,14≈ 381,688 €1,611 €55 €/t
2026 (Jan.–Sep.)≈ 89≈ 48≈ 2,00 €≈ 2,04 €55–65 €/t

Quellen: Spritpreise ADAC, Brent 2023–2025 EIA. Rohölanteil und Jahresmittel 2026 sind eigene Berechnungen mit Wechselkursen von etwa 1,08 (2023/24), 1,13 (2025) und 1,16 (2026). Die Werte für 2026 enthalten den Tankrabatt im Mai und Juni.

Balkendiagramm der Jahresdurchschnittspreise für E10 und Diesel 2023 bis 2026 mit Linie für den Rohölanteil je LiterKI
Gleicher Rohölanteil wie 2023, aber deutlich höhere Preise: Die Lücke entsteht bei Raffinerien und Großhandel.

Zwischen 2023 und 2025 sank der Rohölanteil um rund 10 Cent je Liter, und E10 wurde ebenfalls rund 10 Cent billiger. Der Preis folgte also dem Öl, obwohl die CO₂-Abgabe im selben Zeitraum um rund 7 Cent stieg. 2026 liegt der Rohölanteil in Euro gerechnet etwa auf dem Niveau von 2023. Trotzdem kostet E10 rund 20 Cent mehr, Diesel über 30 Cent mehr. Nur ein kleiner Teil davon lässt sich mit dem gestiegenen CO₂-Preis erklären.

Die Lücke liegt bei Raffinerien und Großhandel

Kernbefund

Rohöl allein erklärt die Rekordpreise 2026 nicht. Sowohl der ADAC als auch das Bundeskartellamt sehen den Klärungsbedarf auf Raffinerie- und Großhandelsebene. Das Kartellamt führt seit dem Frühjahr Verfahren gegen Raffineriebetreiber und prüft, ob die Preisbildung kartellrechtlich gerechtfertigt ist.

Was den Preis außer dem Rohöl bewegt

  • Raffineriemargen: Benzin und Diesel werden als fertige Produkte gehandelt. Ihr Preis spiegelt neben dem Rohöl auch knappe Raffineriekapazitäten wider. Fallen Exporte aus der Golfregion weg, steigen die Produktpreise stärker als das Rohöl.
  • Diesel teurer als Benzin: Der Preis für Gasöl, das Vorprodukt von Diesel und Heizöl, ist 2026 deutlich stärker gestiegen als der Rohölpreis. Deutschland importiert rund 30 Prozent seines Diesels. Dadurch wird der Steuervorteil von rund 18 Cent je Liter vollständig aufgezehrt.
  • CO₂-Abgabe: Sie stieg von 30 €/t (2023) über 45 und 55 €/t auf einen Korridor von 55 bis 65 €/t im Jahr 2026. Jede Stufe verteuert den Liter um rund 3 bis 5 Cent.
  • Logistik: Niedrigwasser auf dem Rhein verteuert den Transport per Schiff und vergrößert die regionalen Preisunterschiede, die zuletzt bei bis zu 15 Cent je Liter lagen.
  • Wechselkurs: Öl wird in Dollar gehandelt. Der Euro blieb 2026 aber relativ stabil um 1,16 Dollar und erklärt die Preissprünge kaum.

Was der Staat am Tanken verdient

Nach ADAC-Erhebungen vom Juli 2026 entfielen rund 57 Prozent des Benzinpreises und 47 Prozent des Dieselpreises auf Steuern und Abgaben. Drei Komponenten wirken dabei unterschiedlich: Energiesteuer und CO₂-Abgabe sind feste Beträge je Liter. Nur die Mehrwertsteuer wächst mit dem Preis, weil sie auf den gesamten Literpreis einschließlich der anderen Abgaben erhoben wird.

Einnahmen aus Benzin und Diesel202420252026 (Hochrechnung)
Energiesteuer (amtlich)33,5 Mrd. €33,3 Mrd. €≈ 29 Mrd. €
CO₂-Abgabe (Schätzung)≈ 7 Mrd. €≈ 9 Mrd. €≈ 10 Mrd. €
Mehrwertsteuer (brutto, Obergrenze)≈ 17 Mrd. €≈ 16 Mrd. €≈ 19–20 Mrd. €
Summe≈ 57 Mrd. €≈ 58 Mrd. €≈ 58–59 Mrd. €

Energiesteuer laut Statistischem Bundesamt. Für 2026 sind beide Tankrabatte abgezogen (1,45 Mrd. und rund 2,5 Mrd. €), ein möglicher Absatzrückgang nicht. CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer sind eigene Berechnungen aus Abgabe bzw. Steueranteil je Liter und den versteuerten Mengen. Die Mehrwertsteuer ist eine Obergrenze: Gewerbliche Kunden erhalten sie als Vorsteuer zurück.

Gestapeltes Balkendiagramm der Staatseinnahmen aus Energiesteuer, CO2-Abgabe und Mehrwertsteuer auf Kraftstoffe 2024 bis 2026KI
Einnahmen aus Energiesteuer, CO₂-Abgabe und Mehrwertsteuer. CO₂-Anteil und Mehrwertsteuer: eigene Berechnung.

Über die drei Jahre summiert sich das auf rund 170 Milliarden Euro. Die Energiesteuer geht an den Bund, die CO₂-Abgabe fließt vollständig in den Klima- und Transformationsfonds, die Mehrwertsteuer teilen sich Bund, Länder und Gemeinden.

Verdient der Staat an der Krise?

Faktencheck

Kaum. Die höheren Spritpreise bringen 2026 grob 2 bis 3 Milliarden Euro zusätzliche Mehrwertsteuer. Die beiden Tankrabatte kosten zusammen rund 3,9 Milliarden Euro, dazu kommen Einbußen durch geringeren Absatz und Tanken im Ausland. Das Bundesfinanzministerium rechnet im Saldo nicht mit Mehreinnahmen. Unterm Strich bleiben die Staatseinnahmen 2026 etwa auf Vorjahresniveau.

Der Tankrabatt ab Oktober

Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 sinkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um 14,04 Cent je Liter. Einschließlich Mehrwertsteuer sind das rechnerisch 16,7 Cent. Tankstellen sind nicht verpflichtet, den Betrag vollständig weiterzugeben. Beim ersten Rabatt im Mai und Juni kam die Senkung bei Benzin nahezu vollständig an, bei Diesel im Schnitt nur mit rund 12 Cent. Am Morgen des 1. Oktober meldete der ADAC für E10 einen Bundesschnitt von 2,062 € nach 2,242 € am Vortag.

Häufige Fragen

Warum fällt der Spritpreis nicht im gleichen Tempo wie der Ölpreis?+
An der Tankstelle wird nicht Rohöl verkauft, sondern ein Raffinerieprodukt. Dessen Preis hängt von Raffineriekapazitäten, Importen und Transportwegen ab. Sind diese knapp, bleiben die Margen hoch, auch wenn das Rohöl billiger wird.
Warum ist Diesel trotz geringerer Steuer teurer als Benzin?+
Der Weltmarktpreis für Diesel und Gasöl ist 2026 deutlich stärker gestiegen als der für Benzin. Zudem fällt beim Diesel eine höhere CO₂-Abgabe an, weil beim Verbrennen mehr CO₂ entsteht. Der Steuervorteil wird dadurch vollständig aufgezehrt.
Was passiert nach dem 31. Dezember 2026?+
Ohne Verlängerung steigt der Literpreis allein durch das Ende des Tankrabatts um rund 17 Cent. Der CO₂-Korridor von 55 bis 65 €/t soll 2027 fortgelten, ist aber noch nicht endgültig beschlossen. Entscheidend bleibt, ob die Straße von Hormus wieder frei befahrbar wird.

Einordnung

Für Unternehmen mit Außendienst oder Servicefahrzeugen sind die Kraftstoffkosten 2026 zu einem spürbaren Posten geworden. Drei Punkte nehmen wir daraus mit:

  • Volatilität einplanen: Innerhalb weniger Wochen schwankte Diesel 2026 um mehr als 40 Cent je Liter. Kalkulationen mit festen Fahrtkosten sollten diese Spannweite abbilden.
  • Fahrten vermeiden, wo es geht: Jede Anfahrt, die durch Fernwartung entfällt, spart heute deutlich mehr als vor zwei Jahren. Wir lösen einen Großteil der Supportfälle unserer Kunden remote und fahren nur raus, wenn es vor Ort wirklich nötig ist.
  • Nach dem Rabatt ist vor dem Preissprung: Zum Jahreswechsel enden der Tankrabatt und möglicherweise die Hoffnung auf schnelle Entspannung. Wer Fuhrparkbudgets für 2027 plant, sollte nicht mit dem Preisniveau vom Oktober rechnen.

Quellen & weiterführende Links

Tanken 2023 bis 2026: Wie Ölpreis, Krieg und Steuern den Literpreis bestimmen