KIWenn Office sich selbst deinstalliert: Microsofts starker Monat
Ein optionales Update entzog Office-Lizenzen den Segen und teils gleich die ganze Installation. Kurz darauf sperrte ein Outlook-Update Anwender mit einer Fehlermeldung aus, die es eigentlich gar nicht geben sollte. Eine Hommage.
Man muss es Microsoft lassen: Wer schon jahrzehntelang Marktführer bei Bürosoftware ist, braucht sich um Innovationsdruck keine Sorgen mehr zu machen. Stattdessen widmet man sich offenbar lieber der hohen Kunst der Selbstsabotage — und hat dabei im September 2026 gleich zweimal geliefert.
Zuerst ein Update, das Office-Lizenzen kassierte, statt sie zu aktualisieren. Kaum war das Feuer halbwegs gelöscht, sperrte ein zweites Update Outlook-Anwender mit einer Fehlermeldung aus, für die es keine plausible Ursache gab. Zwei unabhängige Vorfälle, dieselbe Kernbotschaft: Auch nach Jahrzehnten Erfahrung mit Massen-Rollouts bleibt Update-Qualitätssicherung offenbar ein Optimierungsprojekt mit offenem Ende.
Akt eins: KB5002907 nimmt Lizenzen ernster als gedacht
Am 23. September 2026 veröffentlichte Microsoft das optionale Update KB5002907 für veraltete Microsoft-365-Apps-Installationen — gedacht für Geräte, deren Office-Version mehr als 90 Tage hinter dem aktuellen Stand liegt. Bereits am 24. September häuften sich die Meldungen: Bei Nutzern mit gekauften Dauerlizenzen von Office 2016 und Office 2019 Home & Business wurde die Lizenz plötzlich als ungültig gemeldet — in manchen Fällen verschwand Office gleich komplett vom Gerät.
Wie BleepingComputer berichtet, schlug bei einem belgischen IT-Dienstleister innerhalb von rund zehn Minuten die Meldung von fünf unabhängigen Kunden auf, betroffen waren „dozens of PCs“ über mehrere Organisationen hinweg. Microsoft reagierte mit einem Statement, das an Zurückhaltung kaum zu überbieten ist: „We are aware of these reports and have paused the update while we investigate.“ Übersetzt: Ja, wir haben es bemerkt. Nein, wir wissen noch nicht warum.
Optionales Update für veraltete Microsoft-365-Apps
Betroffen: Office 2016 und Office 2019 Home & Business mit Dauerlizenz (Einmalkauf). Die Auslieferung wurde am 24./25. September 2026 gestoppt. Betroffene Anwender müssen die Aktivierung manuell erneuern oder den ursprünglichen Product Key erneut eingeben, um Office wieder lauffähig zu bekommen.
Bemerkenswert ist weniger der Bug selbst — Software hat Bugs, das ist keine Neuigkeit — sondern dass ein Update, das explizit für veraltete Installationen gedacht war, ausgerechnet bei gekauften, für sich genommen völlig legitimen Dauerlizenzen die Lizenzprüfung durcheinanderbrachte. Wer Office 2016 oder 2019 einmal bezahlt hat, erwartet zu Recht, dass ein „optionales“ Update diese Zusage nicht einfach kassiert.
Akt zwei: Outlook LTSC 2024 findet eine Funktion, die niemand deaktiviert hat
Fast zeitgleich meldeten Administratoren in einem Microsoft-Q&A-Thread ein zweites, unabhängiges Problem: Nach dem Update auf Build 17932.20996 (veröffentlicht am 12. September 2026, beziehungsweise bereits mit Build 17932.20976 vom Patch Tuesday am 8. September) zeigt Outlook LTSC 2024 bei jedem Programmstart die Meldung „This feature has been disabled by your administrator“ — obwohl niemand etwas deaktiviert hatte, was diese Meldung rechtfertigen würde.
Der Auslöser ist eine seit Langem unauffällig funktionierende Gruppenrichtlinie (HKEY_CURRENT_USER\Software\Policies\Microsoft\office\16.0\common\signin, Wert SignInOptions = 3), die die Office-Anmeldung unterbindet — ein durchaus gängiges Setting in Umgebungen ohne Microsoft-365-Konten. Erst mit dem September-Update begann diese altbekannte Einstellung, bei jedem Start eine Fehlermeldung auszulösen. Eine neue Anwenderprofil-Anlage half nicht. Eine offizielle Stellungnahme von Microsoft gibt es im verlinkten Thread bis heute nicht — nur die Community-eigene Lösung: den Registry-Wert EnableADAL=0 zusätzlich zu setzen, sowohl unter HKEY_CURRENT_USER\Software\Microsoft\Office\16.0\Common\Identity als auch als Policy-Variante. Diese Einstellung taucht in den aktuellen ADMX-Verwaltungsvorlagen (Stand 10. August 2026) allerdings gar nicht mehr auf — wer sie zentral per GPO ausrollen will, muss sie also von Hand nachtragen.
Chapeau, Redmond
Ein Update, das bezahlte Lizenzen für ungültig erklärt. Ein zweites, das eine jahrealte, unveränderte Richtlinie plötzlich als Fehlerquelle missversteht. Zwei Produktlinien, ein Monat, kein offizieller Fix zum Zeitpunkt dieser Recherche. Wer so zuverlässig neue Wege findet, IT-Abteilungen zu beschäftigen, hat unseren aufrichtigen Respekt verdient.
Was Betreiber jetzt konkret prüfen sollten
Unabhängig vom Sarkasmus bleiben zwei sehr reale Handlungsanweisungen:
- KB5002907 nicht manuell nachinstallieren, solange Microsoft die Ursache nicht bestätigt hat — auch wenn Windows Update es als optional anbietet. Bei bereits betroffenen Geräten mit Office 2016/2019 Home & Business: Aktivierungsstatus über
Datei → Kontoprüfen und im Zweifel den Original-Product-Key erneut eingeben, bevor eine Neuinstallation nötig wird. - Vor dem September-Rollout auf Outlook LTSC 2024 testen, ob Umgebungen mit der
SignInOptions-Richtlinie betroffen sind — am besten an einem Pilotgerät, nicht an der gesamten Belegschaft gleichzeitig. - Beide Updates gestaffelt ausrollen, statt sie unternehmensweit gleichzeitig einzuspielen — genau der Unterschied zwischen einem einzelnen betroffenen Gerät und einem Montagmorgen ohne funktionierendes Outlook für die gesamte Belegschaft.
Die eigentliche Einordnung
Beide Vorfälle sind für sich genommen ärgerlich, aber nicht ungewöhnlich — Update-Pannen passieren bei jedem Hersteller. Bemerkenswert ist, wie sie zusammen ein Muster zeigen: Updates, die ungeprüft in produktiven Umgebungen landen, testen am Ende die eigenen Anwender. Genau dafür gibt es Managed Services — nicht um Updates schneller einzuspielen, sondern um sie erst zu testen, dann gestaffelt auszurollen und im Fehlerfall sofort reagieren zu können, statt montagmorgens 40 Anrufe gleichzeitig entgegenzunehmen.
Quellen & weiterführende Links
- heise onlineMicrosoft-Office-Update-Auslieferung unter anderem wegen Lizenzfehlern gestoppt
- BleepingComputerMicrosoft 365 KB5002907 update paused after Office license deactivations
- Microsoft Q&A (offiziell)Outlook LTSC 2024 shows „This feature has been disabled by your administrator“ at startup
Recherche-Stand: 28. September 2026 — für beide Vorfälle lag zu diesem Zeitpunkt noch kein offizieller Fix von Microsoft vor, nur Workarounds.
