Zum Hauptinhalt springen
Diese Website enthält mit KI erstellte Inhalte. Mehr erfahren
Hintergrundbild zu „HTTP2Shell wird ausgenutzt: Die Brotli-Lücke steckt in PowerShell, .NET und VMware Cloud Foundation“KI
Aktuell

HTTP2Shell wird ausgenutzt: Die Brotli-Lücke steckt in PowerShell, .NET und VMware Cloud Foundation

CISA bestätigt Angriffe auf CVE-2026-111497. Warum die Brotli-Lücke PowerShell, .NET und den VMware SDDC Manager trifft und was Admins jetzt prüfen sollten.

  • Security
  • Updates
  • Server

Eine Schwachstelle in Googles Kompressionsbibliothek Brotli hat sich innerhalb einer Woche von einer Node.js-Meldung zu einem Problem für die gesamte Serverlandschaft entwickelt. Seit dem 27. Oktober 2026 führt die US-Behörde CISA die Lücke CVE-2026-111497 als aktiv ausgenutzt. Microsoft hat außerplanmäßig .NET und PowerShell gepatcht, Broadcom wartet beim SDDC Manager von VMware Cloud Foundation noch auf einen Patch und liefert vorerst nur einen Workaround.

Brotli ist ein Verfahren, das Webserver und Clients nutzen, um Daten vor der Übertragung zu verkleinern. Der Fehler sitzt im Decoder, also in dem Teil, der komprimierte Daten wieder auspackt. Ein präparierter Datenstrom reicht, um Speicher außerhalb des vorgesehenen Bereichs zu überschreiben. Je nach Produkt bedeutet das Absturz, Speicherabfluss oder im schlechtesten Fall fremde Codeausführung.

Kernaussage

Stand 30.10.2026

Brotli ist keine Software, die man installiert, sondern eine Bibliothek, die in anderer Software steckt. Wer nur nach Node.js sucht, übersieht PowerShell 7, .NET-Anwendungen, Python-Pakete und das Management von VMware Cloud Foundation. Die Frage lautet nicht, ob Brotli im Einsatz ist, sondern wo.

CVE-2026-111497

CVSS 9.2

Out-of-bounds Write im Brotli-Decoder, betroffen sind Brotli 1.0.3 bis 1.2.0 (GitHub-Advisory).

CISA KEV seit 27.10.

Frist 10.11.2026

US-Bundesbehörden müssen bis dahin patchen. Für alle anderen ist der KEV-Eintrag das stärkste öffentliche Signal für aktive Angriffe.

VMware SDDC Manager 9.1.1

CVSS 9.8, Patch ausstehend

Broadcom stuft die Lücke dort als kritisch ein und bietet bisher nur einen manuellen Workaround.

Was passiert ist

Chronologie der Brotli-Lücke

  1. 27.02.2026
    Fix im Quellcode, ohne Hinweis

    Laut Help Net Security landete die Korrektur im Brotli-Repository, aber ohne Release und ohne Advisory. Acht Monate war der Fix öffentlich einsehbar, ohne dass jemand gewarnt wurde.

  2. 21.10.2026
    Google veröffentlicht Brotli 1.0.10, 1.1.1 und 1.2.1

    Erst jetzt bekommt der Fehler eine CVE-Nummer. Das Node.js-Projekt zieht mit den Versionen 22.23.4, 24.22.1 und 26.12.1 nach.

  3. 25.10.2026
    Microsoft patcht außer der Reihe

    .NET 8.0.33, 9.0.22 und 10.0.14 sowie PowerShell 7.4.22, 7.5.13 und 7.6.9 schließen die Lücke. Auch Visual Studio bekommt Updates.

  4. 26.10.2026
    Erste Angriffsversuche

    Das Sicherheitslabor ELLIO meldet eine bösartige Anfrage gegen einen Node.js-Sensor. Ob der Angriff erfolgreich war, ist offen.

  5. 27.10.2026
    CISA KEV und Broadcom-Advisory

    CISA nimmt die Lücke in den Katalog ausgenutzter Schwachstellen auf. Broadcom veröffentlicht VMSA-2026-0008 für den SDDC Manager.

    Heute
  6. 28.10.2026
    Broadcom präzisiert

    Revision VMSA-2026-0008.1 stellt klar: Betroffen ist VMware Cloud Foundation mit dem SDDC Manager, kein Patch verfügbar, nur Workaround.

Warum die Lücke technisch bemerkenswert ist

Drei Dinge unterscheiden HTTP2Shell von einer gewöhnlichen Bibliotheks-Lücke. Erstens die Angriffsrichtung: Der Decoder verarbeitet Daten, die von außen kommen. Ein Server, der Brotli-komprimierte Anfragen annimmt, oder ein Client, der Antworten automatisch dekomprimiert, lässt fremde Daten direkt in den verwundbaren Code laufen. Dafür braucht der Angreifer keine Anmeldung.

Zweitens die Verbreitung. Brotli wird nicht als eigenes Paket wahrgenommen, sondern kommt als Abhängigkeit mit. In .NET sitzt es in System.IO.Compression und damit in jeder PowerShell-7-Installation. In Node.js ist es eingebaut. Python-Pakete wie brotli und brotlicffi bringen es mit. Und im SDDC Manager von VMware Cloud Foundation steckt es über die Node.js-Komponente der Verwaltungsoberfläche. Ein Inventar nach Produktnamen findet davon nichts.

Drittens die Einschränkung, die man fairerweise nennen muss: Der öffentlich bekannte Exploit erreicht Codeausführung nach Angaben von SOC Prime bisher nur auf absichtlich geschwächten Test-Builds. Auf normalen Node.js-Builds berichten Forscher von Abstürzen und begrenztem Speicherabfluss. Microsoft bewertet die Lücke in seinem eigenen Advisory mit CVSS 8.1, Google mit 9.2, Broadcom für den SDDC Manager 9.1.1 mit 9.8. Die Spanne zeigt: Die Auswirkung hängt vom Produkt ab, das Brotli einbettet. Für die Entscheidung, ob man patcht, spielt das keine Rolle. Für die Reihenfolge schon.

Wo die Lücke in typischen Umgebungen steckt

KomponenteBetroffenGepatchte VersionHinweis
PowerShell 77.4, 7.5, 7.67.4.22 / 7.5.13 / 7.6.9Windows PowerShell 5.1 nutzt das .NET Framework und ist nicht betroffen
.NET Runtime8, 9, 108.0.33 / 9.0.22 / 10.0.14Request-Dekompression und automatische Antwort-Dekompression sind in .NET standardmäßig aus; eigene Anwendungen prüfen
Node.js22, 24, 2622.23.4 / 24.22.1 / 26.12.1Ältere Zweige ohne Support bekommen kein Update
Pythonbrotli, brotlicffi1.2.1 / 1.2.1.0Oft als optionale Abhängigkeit, etwa über httpx[brotli]
VMware Cloud FoundationSDDC Manager 5.2.x, 9.0.x, 9.1.xPatch ausstehendWorkaround per Broadcom-KB 460732 (9.1.1.x) bzw. 460734 (5.2.x, 9.0.2, 9.1.0)
Visual Studio2019, 2022, 202616.11.61 / 17.14.43 / 18.11.2Betrifft Entwickler-Arbeitsplätze

Was Betreiber jetzt prüfen sollten

  1. PowerShell 7 auf allen Admin-Rechnern und Servern auf 7.4.22, 7.5.13 oder 7.6.9 heben. PowerShell 7 wird nicht über Windows Update gepflegt, sondern über winget, den MSI-Installer oder den Microsoft Store. Wer es einmal installiert und vergessen hat, hat jetzt eine verwundbare Version.
  2. .NET-Runtimes inventarisieren. Jede selbst betriebene .NET-Anwendung, die Brotli-komprimierte Anfragen annimmt oder per HttpClient automatisch dekomprimiert, gehört auf die aktuelle Runtime. Self-contained-Anwendungen tragen die Runtime in sich und müssen neu gebaut werden.
  3. Node.js-Instanzen prüfen, auch die versteckten. Die Vorgehensweise dazu steht in unserem Beitrag vom 22. Oktober; die dort genannten Versionen enthalten bereits den Brotli-Fix.
  4. VMware Cloud Foundation: SDDC-Manager-Version feststellen und den passenden Workaround aus der Broadcom-Wissensdatenbank einspielen. Er deaktiviert den Brotli-Decoder in der Verwaltungsoberfläche per Preload-Datei und gehört in den Änderungsprozess, nicht in die Mittagspause. Vorher Snapshot oder Backup der Appliance.
  5. Übergangsweise am Reverse Proxy oder an der Firewall Anfragen mit Content-Encoding br verwerfen, wenn ein betroffener Dienst nicht sofort aktualisiert werden kann. Das ist die Empfehlung von CISA und Microsoft für den Zeitraum bis zum Patch.
  6. Nach dem Patchen Prozesse neu starten und Container-Images neu bauen. Eine aktualisierte Bibliothek auf der Platte hilft nichts, solange der laufende Prozess die alte Version im Speicher hat.

Versionen prüfen

Drei Befehle, die auf jedem Server und Admin-Rechner in unter einer Minute Klarheit schaffen.

PowerShell 7: Version anzeigen (im PowerShell-7-Fenster, nicht in Windows PowerShell 5.1)
$PSVersionTable.PSVersion
.NET: installierte Runtimes auflisten
dotnet --list-runtimes
Node.js: Version anzeigen
node --version

Gepatcht sind PowerShell 7.4.22, 7.5.13, 7.6.9; .NET 8.0.33, 9.0.22, 10.0.14; Node.js 22.23.4, 24.22.1, 26.12.1 und jeweils höher.

Einordnung

Drei Punkte nehmen wir aus dieser Woche mit.

  • Ein stiller Fix ist kein Fix. Acht Monate lag die Korrektur offen im Quellcode, ohne Release und ohne Warnung. Wer Brotli als Abhängigkeit nutzte, hatte keine Chance, davon zu erfahren. Das Muster kennen wir von AnyDesk im Oktober: Die Lücke wird nicht durch den Fehler gefährlich, sondern durch die Zeit zwischen Fix und Information.
  • Inventar nach Bibliotheken, nicht nach Produkten. Eine Software-Stückliste, die festhält, welche Bibliotheken in welchen Anwendungen stecken, hätte die Frage "Wo haben wir Brotli?" in Minuten beantwortet. Genau das verlangt der Cyber Resilience Act künftig von Herstellern. Betreiber sollten es für ihre eigenen Anwendungen nicht anders halten.
  • Der Management-Layer ist das Ziel. Beim SDDC Manager liegt die höchste Bewertung bei 9.8 für die aktuellste Version. Eine Verwaltungsoberfläche, die ganze Rechenzentren steuert, darf nicht aus dem Netz erreichbar sein, Brotli-Lücke hin oder her. Wer das prüft, löst gleich mehrere künftige Advisories mit.

Versteckte Abhängigkeiten im Blick

Wir inventarisieren die Laufzeitumgebungen und Bibliotheken in Ihrer Serverlandschaft und verknüpfen sie mit den laufenden Advisories, damit die nächste Bibliotheks-Lücke keine Suchaktion auslöst.

Kontakt aufnehmen

Quellen & weiterführende Links

HTTP2Shell: Brotli-Lücke in PowerShell, .NET und VMware