KIDas Backup als Hintertür: Was der ConnectWise-Vorfall über App-Berechtigungen in Microsoft 365 lehrt
Angreifer nutzten die M365-App von ConnectWise Cloud Backup für Zugriffe auf 173 Tenants. Was der Fall über App-Rechte lehrt und was jetzt zu prüfen ist.
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Ein Backup-Dienst muss alles lesen können, was er sichern soll: Postfächer, OneDrive, SharePoint, Teams, das Verzeichnis. Genau diese Rechte sind seit dem 15. Oktober 2026 in fremden Händen. Unbekannte haben ein Zugangsdatum der Microsoft-365-App von ConnectWise Cloud Backup (früher SkyKick) erbeutet und sich damit in die Tenants von Kunden angemeldet – mit allen Rechten, die diese Kunden der App einmal erteilt hatten. Microsoft spricht von einem aktiven Lieferkettenangriff.
Der Fall betrifft nur die Kunden eines Herstellers. Die Frage dahinter betrifft jede Organisation mit Microsoft 365: Welche Apps haben in unserem Tenant welche Rechte – und würden wir es merken, wenn jemand anderes sie benutzt?
Was passiert ist
Ablauf nach Angaben von Huntress, Microsoft und ConnectWise
- 13./14. OktoberVorgeplänkel
Von derselben IP-Adresse, die später beim Angriff auftaucht, laufen Password-Spraying-Versuche gegen vier Tenants von Anwaltskanzleien. Erfolgreiche Benutzeranmeldungen sieht Huntress nicht.
- 15. Oktober, 06:13–08:34 UTCTokens im Minutentakt
Die Angreifer holen sich mit dem Zugangsdatum der App Microsoft-Graph-Tokens in Kunden-Tenants. Sie gehen die Tenants im Abstand weniger Sekunden der Reihe nach durch, offensichtlich per Skript nach Zielliste.
- bis 17. Oktober173 Tenants betroffen
Huntress bestätigt unberechtigte Anmeldungen in 173 Partner- und Kunden-Tenants. In einem Tenant macht sich eine zweite ConnectWise-App selbst zum Global Administrator und hinterlegt neue Zugangsdaten bei zwei weiteren vertrauenswürdigen Apps: einer MSP-Verwaltungs-App und der App des Sicherheitsanbieters Huntress.
- 17. Oktober, 07:00 UTCDienst ausgesetzt
ConnectWise deaktiviert sieben App-Identitäten und widerruft die betroffenen Zertifikate. Cloud Backup ist ausgesetzt: keine Sicherungen, keine Wiederherstellung. Hinweise auf einen Zugriff auf die gespeicherten Sicherungen hat ConnectWise nach eigenen Angaben nicht.
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Warum der Fall mehr ist als ein Herstellerproblem
Die App ist das Konto. Bei diesem Angriff wurde kein Benutzer übernommen – die Angreifer haben sich als die App angemeldet. Benutzer abmelden, Passwörter zurücksetzen oder MFA verschärfen hilft deshalb nicht. Ein Deaktivieren der App stoppt neue Tokens, bereits ausgestellte bleiben aber bis zu 90 Minuten gültig.
Die Rechte wurden einmal erteilt und dann vergessen. Einer Backup-App erteilt man bei der Einrichtung Rechte wie das Lesen und Schreiben aller Postfächer und Dateien, oft auch Verzeichnisrechte wie Directory.ReadWrite.All. Danach taucht die App in keiner Benutzerliste und keiner MFA-Auswertung mehr auf. Sie läuft einfach.
Vertrauen wird weitergereicht. Der gefährlichste Befund ist der zweite Schritt: Eine App mit Administratorrechten hängt neue Zugangsdaten an andere vertrauenswürdige Apps. Eine MSP-Verwaltungs-App ist oft in vielen Kunden-Tenants freigegeben. Wer dort ein eigenes Secret hinterlegt, kommt potenziell über den einen Tenant hinaus.
Manches hinterlässt keine Spur. Lesende Verzeichniszugriffe über Microsoft Graph tauchen im normalen Audit-Log nicht auf. Ohne aktivierte Graph-Aktivitätsprotokolle lässt sich im Nachhinein nicht klären, was die Angreifer gelesen haben.
Wenn Sie ConnectWise Cloud Backup oder SkyKick einsetzen
Lassen Sie die Apps deaktiviert, bis ConnectWise neue Anweisungen gibt, und prüfen Sie Ihren Tenant mit den Schritten unten. Das gilt auch für ruhende, längst nicht mehr genutzte SkyKick-Verbindungen.
Was jede Organisation mit Microsoft 365 jetzt prüfen sollte
- Enterprise Apps inventarisieren: Im Entra Admin Center unter „Enterprise-Anwendungen“ alle Apps mit Anwendungsberechtigungen auflisten. Zu jeder App sollte klar sein, wer sie braucht, wer sie freigegeben hat und ob sie noch genutzt wird. Was niemand erklären kann, wird entfernt.
- Kritische Berechtigungen gezielt suchen: Besonders heikel sind Rechte, mit denen eine App andere Rechte vergeben oder Apps verändern kann (RoleManagement.ReadWrite.Directory, AppRoleAssignment.ReadWrite.All, Application.ReadWrite.All), dazu Directory.ReadWrite.All sowie Vollzugriff auf Mail und Dateien. Exchange-Vollzugriff über EWS (full_access_as_app) steht nicht bei Microsoft Graph, sondern bei der App „Office 365 Exchange Online“ und muss dort separat geprüft werden.
- Anmeldungen von Apps auswerten: Unter „Überwachung → Anmeldeprotokolle“ den Reiter „Anmeldungen von Dienstprinzipalen“ öffnen – der Standardreiter zeigt nur Benutzeranmeldungen. Auffällig sind Anmeldungen von IP-Adressen außerhalb der erwarteten Microsoft- und Azure-Bereiche.
- Neue Zugangsdaten an Apps finden: Prüfen, ob seit dem 13. Oktober an Apps oder Dienstprinzipalen neue Secrets oder Zertifikate hinterlegt wurden und ob sich Apps selbst einer Verzeichnisrolle hinzugefügt haben.
- Graph-Aktivitätsprotokolle einschalten: Sie kosten Speicher, sind aber die einzige Möglichkeit, lesende Zugriffe von Apps nachzuvollziehen. Ohne sie bleibt nach einem Vorfall wie diesem nur die Vermutung.
Prüfbefehle mit Microsoft Graph PowerShell
In einer PowerShell mit installiertem Microsoft-Graph-Modul ausführen. Die Anmeldung erfolgt mit einem Konto, das die genannten Leserechte hat.
Connect-MgGraph -Scopes 'Application.Read.All','Directory.Read.All','AuditLog.Read.All'
$cwApps = @(
'506e08f9-6e9a-4da4-942b-a099a03644ae', # Cloud Backup
'2399d300-6fca-4e6a-a686-399fefe75b83', # Cloud Management
'24205314-2b89-4e07-a2a4-579e898a5640', # Cloud Management - MS Teams
'b78f6a77-d4e5-46fb-87e5-d1648bd02519', # Cloud Management - Exchange Online
'0de14c77-b9b0-4137-9360-34878a929827', # Cloud Management - MS Graph
'412dcf96-176d-4b3a-a1b0-4981ad66971e', # Cloud Management - Partner Center
'b2b55f5b-7758-4719-8d8f-88ae172e6bdb' # Cloud Management - SharePoint Online
)
Get-MgServicePrincipal -All | Where-Object { $cwApps -contains $_.AppId } |
Select-Object DisplayName, AppId, AccountEnabled$graph = Get-MgServicePrincipal -Filter "appId eq '00000003-0000-0000-c000-000000000000'"
$kritisch = 'Directory.ReadWrite.All','RoleManagement.ReadWrite.Directory',
'Application.ReadWrite.All','AppRoleAssignment.ReadWrite.All',
'Mail.ReadWrite','Files.ReadWrite.All','Sites.FullControl.All'
$rollen = $graph.AppRoles | Where-Object { $kritisch -contains $_.Value }
Get-MgServicePrincipalAppRoleAssignedTo -ServicePrincipalId $graph.Id -All |
Where-Object { $rollen.Id -contains $_.AppRoleId } |
Select-Object PrincipalDisplayName,
@{ n = 'Berechtigung'; e = { $id = $_.AppRoleId; ($rollen | Where-Object Id -eq $id).Value } } |
Sort-Object PrincipalDisplayName$seit = Get-Date '2026-10-13'
$props = 'Id','DisplayName','AppId','PasswordCredentials','KeyCredentials'
$objekte = Get-MgServicePrincipal -All -Property $props
$objekte += Get-MgApplication -All -Property $props
foreach ($o in $objekte) {
foreach ($c in @($o.PasswordCredentials) + @($o.KeyCredentials)) {
if ($c -and $c.StartDateTime -ge $seit) {
[pscustomobject]@{ App = $o.DisplayName; AppId = $o.AppId; Seit = $c.StartDateTime; Typ = $c.GetType().Name }
}
}
}Get-MgAuditLogDirectoryAudit -All -Filter "activityDisplayName eq 'Add member to role' and activityDateTime ge 2026-10-13T00:00:00Z" |
Where-Object { $_.InitiatedBy.App.DisplayName } |
Select-Object ActivityDateTime,
@{ n = 'Ausgeloest von'; e = { $_.InitiatedBy.App.DisplayName } },
@{ n = 'Ziel'; e = { ($_.TargetResources | Select-Object -First 1).DisplayName } }Alle Befehle lesen nur. Die Abfragen der Anmelde- und Audit-Protokolle sind durch die Aufbewahrungsdauer des Tenants begrenzt.
Was wir daraus ableiten
Benutzerkonten werden heute in den meisten Umgebungen gut überwacht: Anmeldeorte, MFA, riskante Anmeldungen. App-Identitäten fallen dagegen fast überall durch das Raster, obwohl sie oft mehr dürfen als jeder Administrator. Der ConnectWise-Fall zeigt, wie schnell sich das ausnutzen lässt.
Genau hier setzen wir an: Wir planen eine Überwachung für App-Identitäten in Microsoft 365, die die Muster aus diesem Vorfall erkennen soll – neue Secrets oder Zertifikate an bestehenden Apps, Apps, die sich selbst Rollen zuweisen, neu erteilte kritische Berechtigungen und App-Anmeldungen von ungewohnten Adressen. Bis dahin bleibt die regelmäßige Prüfung mit den oben gezeigten Schritten der wichtigste Schutz.
Auch die Überwachung selbst ist ein Ziel
Die Angreifer haben gezielt der App eines Sicherheitsanbieters neue Zugangsdaten verpasst. Für uns folgt daraus ein Grundsatz: Eine Überwachung von App-Identitäten darf selbst nur lesen, ihre eigenen Zugangsdaten gehören besonders geschützt, und Gegenmaßnahmen werden an anderer Stelle ausgelöst. Ein Überwachungswerkzeug darf nicht selbst zum Generalschlüssel werden.
Einordnung
- Apps sind privilegierte Identitäten. Sie gehören in dieselbe Prüfung wie Administratorkonten: regelmäßige Rezertifizierung, minimale Rechte, Überwachung der Anmeldungen.
- Der Lieferant ist Teil der eigenen Angriffsfläche. Wer einer App Tenant-weite Rechte gibt, vertraut nicht nur dem Produkt, sondern auch der Sicherheit des Herstellers. Das gilt für Backup-Dienste ebenso wie für jedes andere Werkzeug mit Zugriff auf den Tenant.
- Ein Backup ohne Wiederherstellung ist kein Backup. Wer sein einziges M365-Backup bei einem Anbieter hat, der nun auf unbestimmte Zeit ausgesetzt ist, hat derzeit keines. Eine zweite, unabhängige Sicherung gehört zur 3-2-1-1-0-Regel, die wir im Beitrag zur Backup-Strategie mit Veeam beschrieben haben.
- Kein Einzelfall. Wie Angreifer Fernwartungswerkzeuge als Generalschlüssel nutzen, zeigt auch der BeyondTrust-Zero-Day.
Quellen & weiterführende Links
- HuntressVendor credential enables unauthorized access
- TodylInvestigation: Unauthorized access through the ConnectWise Cloud Backup Microsoft 365 app
- ConnectWiseTrust Center – Security Advisories
- The Hacker NewsHackers Use Compromised ConnectWise Credential to Sign In to 173 Microsoft 365 Tenants (17.10.2026)
- Borns IT- und Windows-BlogCyberangriff auf abc Bank; die CDU; ConnectWise Cloud Backup-Kompromittierung (18.10.2026)
Recherchestand: 19. Oktober 2026. Die Untersuchung durch ConnectWise läuft noch.
